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Flüssigkeitsaufnahme
Was Sportler über die Flüssigkeitsaufnahme
wissen sollten
(von Ruedy Buess)
Sicher haben Sie sich auch schon gefragt was soll
das eigentlich, wenn Sie bei einem Tennis- oder Tischtennismatch
im Fernsehen, bei jedem Seitenwechsel die Trinkzeremonie beobachten.
Meine Beobachtungen bei Tischtennis-Mannschaftsmeisterschaften,
-Turnieren und -Trainings in den unteren Ligen zeigen, dass es offensichtlich
den meisten nicht bewusst ist, welche Unterlassungssünde, wenn
nicht gar Raubbau am Körper, begangen wird.
Ich bin der Sache nachgegangen und habe in verschiedenen Zeitschriften
recherchiert. („Länger und gesünder leben“
1/03, 7/04, Heilen mit Wasser; „Dr. Spitzbart’s Gesundheits-Praxis“
6/05, 7/05 & „Fit for Life“ 7+8/05) Unten finden
Sie das zusammengetragene Wissen.
Der menschliche Körper besteht zu etwa zwei Dritteln aus Wasser.
Um Flüssigkeitsverluste auszugleichen müssen Sie täglich
etwa 1.5 bis 2 Liter trinken. Damit ist Wasser unser wichtigstes
tägliches Lebensmittel.
Im Grunde scheint der Flüssigkeitshaushalt eine einfache Sache:
Was wir brauchen, trinken wir, und was überschüssig ist,
scheidet der Körper mit dem Urin aus. Doch beim Blick auf die
Abbildung unten werden Sie sehen, dass es dann doch nicht ganz so
simpel ist.

Wie Sie sehen, wird längst nicht alles Wasser
mit dem Harn ausgeschieden. Die Haut ist wasserdurchlässig,
und über die Schweissdrüsen (besonders an heissen Tagen
und bei sportlicher Betätigung) kann die Feuchtigkeitsabgabe
noch deutlich höher sein.
Auch über die Atemluft verlieren wir pro Tag mindestens einen
halben Liter Wasser (in Dampfform). Es wird benötigt um die
Schleimhäute der Atemwege feucht zu halten (zu sehen bei beschlagenen
Brillen- und Fenstergläsern). Vor allem im Winter sind zusätzliche
Wasserverluste zu berücksichtigen, wenn wir uns in geheizten
Räumen mit zu trockener Umgebungstemperatur aufhalten.
Kommt es manchmal vor, dass Ihnen im Gespräch ein Wort einfach
nicht mehr einfallen will, obwohl es Ihnen regelrecht auf der Zunge
liegt. Die Ursache von solchen Wortfindungsstörungen sind sehr
häufig zu geringe Trinkmengen.
Beim Flüssigkeitsmangel leidet nicht nur die körperliche
sondern auch die geistige Leistungsfähigkeit.
Das Blut beginnt sich einzudicken und fliesst langsamer durch die
Gefässe. Dadurch werden Muskeln und Gehirn schlechter mit Sauerstoff
und Nährstoffen versorgt. Daher leiden zuerst das Konzentrationsvermögen
und die körperliche Leistungsfähigkeit unter einem Flüssigkeitsmangel.
Das Gehirn wird dann nicht mehr ausreichend durchblutet. Wenn Sie
sich also ständig schlapp und müde fühlen oder sich
schlecht konzentrieren können, sollten Sie einmal kritisch
prüfen, ob Sie tatsächlich genug trinken.
Was trinken? Mineralstoffe: Wasser allein reicht nicht.
Ein unverfälschtes Naturprodukt ist Mineralwasser. Die heute
erhältlichen stillen Sorten sind oft verträglicher als
die kohlesäurereichen Produkte. Sie schonen den Magen und säuern
den Körper nicht noch unnötig an. Auch das Geld für
teures Wasser, das mit Sauerstoff angereichert ist, können
Sie sich sparen. Es hat keinerlei positive Auswirkungen auf Ihre
Gesundheit.
Achten Sie ausserdem darauf, dass Sie kein „Tafelwasser“
kaufen. Dabei handelt es sich oft nur um in Flaschen abgefülltes
Leitungswasser. Dagegen bürgen die Bezeichnungen „Mineralwasser“,
„Quellwasser“ oder „Heilwasser“ dafür,
dass das Wasser aus tiefen und sauberen Grundwasserschichten stammt.
Bei Leitungswasser ist dies leider nicht immer der Fall. Oft ist
es nur filtriertes Oberflächenwasser aus Flüssen oder
Talsperren. Und zur Entkeimung wird ihm Chlor beigemischt.
Allerdings wird die Bedeutung von Mineralwässern für die
Versorgung mit Mineralstoffen und Spurenelementen häufig überschätzt.
Es gibt im Prinzip nur drei Mineralstoffe, die in einigen Mineralwässern
(längst nicht in allen) in relevanten Mengen vorkommen: Kalzium,
Magnesium und Natrium.
Sorgen Sie für Abwechslung beim Trinken, so fällt es Ihnen
leichter. Neben Mineral- und Leitungswasser (falls es nicht nur
aufbereitetes Oberflächenwasser ist) sind Früchtetees
oder verdünnte Obstsäfte ideal.
Enthält Ihr Wasser alle Stoffe in ausreichender Menge? Unter
www.pmgeiser.ch/mineral finden Sie viele Mineralwässer aus
allen Ländern der Erde, aufgeschlüsselt nach Inhaltsstoffen
und Menge der enthaltenen Mineralstoffen.
Man kann auch übertreiben:
Vor drei Jahren schreckte ein vermeintliches Einzelschicksal die
Marathonszene auf. Eine 28-jährige Läuferin starb beim
Boston-Marathon, weil sie anscheinend aus Angst vor einer Dehydrierung
literweise Flüssigkeiten getankt hatte. An einer Versorgungsstelle
soll die junge Frau nach fünf gelaufenen Stunden 16 Becher
geleert haben. Wenige Minuten später brach sie tot zusammen.
Diagnose: Hyponatriämie; auch Wasservergiftung genannt. Die
Blutuntersuchung ergab, dass ihr Natriumwert auf 113 Millimol pro
Liter abgesackt war – normal sind Werte zwischen 135 und 145.
Für neuen Wirbel sorgt nun eine Studie, die kürzlich im
„New England Journal of Medicine“ publiziert wurde.
Sie belegt: das Phänomen Hyponatriämie ist in der Marathonszene
kein Einzelfall.
Der Grund für die tiefe Natriumkonzentration hängt eng
mit dem Trinkverhalten zusammen. Wenn man viel trinkt, wird das
Blut stark verdünnt. Beinhaltet das eingenommene Getränk
zu wenig Salz, sinkt die Natriumkonzentration im roten Lebenssaft.
Enthält dadurch das Blut weniger Salz als die Flüssigkeit
im umliegenden Gewebe, „saugt“ sich der Körper
vermehrt Wasser aus dem Blut. Die Folge: Beine und Arme schwellen
an. Im Gehirn ist der Effekt besonders fatal, denn die Schädeldecke
kann dem erhöhten Hirndruck nicht nachgeben. Es kommt zum Hirnödem.
Zunächst äussert es sich in Benommenheit und Verwirrung;
unbehandelt kann es aber zur Bewusstlosigkeit und schliesslich gar
zum Tod führen. Von einer „milden“ Hyponatriämie
spürt man dagegen meist nichts.
Es ist ein gutes Beispiel dafür, dass etwas an und für
sich Gutes im Überfluss irgendwann auch negative Auswirkungen
haben kann. Es ist alles eine Frage des Masses.
Zusammengefasst steht fest: Trinken beim Sport muss sein. Allein
bei Einheiten unter einer Stunde kann getrost auf die Flüssigkeitsaufnahme
verzichtet werden. Da reicht es aus, die Speicher nach der Belastung
wieder aufzufüllen. Wer länger als eine Stunde unterwegs
ist, sollte den Wasserverlust kontinuierlich kompensieren und alle
15 bis 20 Minuten trinken. Zu beachten ist, dass eine Flüssigkeitszufuhr
von mehr als einem Liter pro Stunde wahrscheinlich nichts bringt.
Physiologische Untersuchungen zeigen, dass der Körper nur maximal
einen Liter Wasser pro Stunde aufnehmen kann. Bei Belastungen von
zwei Stunden und mehr raten Ernährungswissenschaftler und Sportärzte
zu Kochsalz- und Natriumchloridhaltigen Getränken.
Nun kann sich jeder selber einen Reim darauf machen, warum er mit
dem 3. Satz seinen Match nicht ins Trockene bringen konnte oder
gar im 5. Satz doch noch verloren hat.
Erfahrung ist die Fähigkeit, einen Fehler
sofort zu erkennen, wenn man ihn wieder macht. John Osborne
Es ist eine Kunst, aus fremden Fehlern zu lernen. Die meisten lernen
nicht einmal aus den eigenen. Peter Bamm
Ruedy Buess
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